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Frankfurter Nationalversammlung

Das hat es vorher noch nie gegeben
Im Rahmen der Deutschen Revolution 1848/49 zeigt dieses Bild die Nationalversammlung in der Paulskirche in Frankfurt. Eine große Menge von Delegierten und Zuschauern ist in einem halbrunden Saal versammelt, einige stehen und es wird eine Rede gehalten.
Frankfurter Nationalversammlung
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Intro

Die Märzrevolution 1848 hatte die Herrschaft der Fürsten in den deutschen Ländern beendet − glaubten zumindest die Revolutionäre. Am 18. Mai 1848 tagte zum ersten Mal ein frei gewähltes gesamtdeutsches Parlament: die Frankfurter Nationalversammlung. Politische Parteien wollten eine Reichsverfassung ausarbeiten und ein geeintes Deutschland formen. Das Ziel der Revolution schien erreicht. Oder doch nicht?

Kapitel 1: „Germania“

Stolz und mahnend zugleich blickt die schöne junge Frau auf die Reihen der Abgeordneten in der brechend vollen Kirche. Sie trägt ein kaiserliches Gewand, aber auch das Banner der Revolution: die schwarz-rot-goldene Fahne. Hoch aufgerichtet hält sie das Schwert in der Rechten, zu ihren Füßen liegt noch die gesprengte Fessel. Es ist die „Germania“, die Symbolfigur der Deutschen und ihres Strebens nach Freiheit und nationaler Einheit. Der Kampf ist gewonnen, so die Botschaft des riesigen Gemäldes in der Paulskirche zu Frankfurt. Aber – ist er das wirklich?

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Kapitel 2: Das „Professorenparlament“

In der Frankfurter Paulskirche sollte sich der Traum von einem freiheitlichen deutschen Nationalstaat erfüllen. Dafür hatte man das Gotteshaus zu einem Parlamentsgebäude umgestaltet, das vor deutschnationaler Symbolik nur so strotzte: Vor der Orgel hing ein fünf Meter hohes Gemälde der „Germania“, eingerahmt von vaterländischen Versen und Fahnen in den neuen Bundesfarben Schwarz, Rot und Gold. Der Altar war abgebaut und durch ein Podium ersetzt worden. Hier saß das Präsidium der Nationalversammlung, deren Wahl eine zentrale Forderung der Deutschen Revolution gewesen war.

Lange hatten die Herrscher im Deutschen Bund die Anliegen des Volkes von sich gewiesen, hatten mit Polizeigewalt und Militäreinsätzen ihre Macht verteidigt. Unter dem Eindruck der Aufstände in mehreren Ländern und Städten machten sie Zugeständnisse – um den kompletten Umsturz zu vermeiden. Am Ende erlaubten sie sogar freie Wahlen im ganzen Deutschen Bund.

Wählen, das durften allerdings nur Männer, die mindestens 24 Jahre alt und “selbstständig” waren, also zumindest einen eigenen Hausstand hatten. Frauen, Dienstboten, Lohnarbeiter und andere einfache Leute hatten kein Wahlrecht. Und so sah das Parlament auch aus, das am 18. Mai in der Frankfurter Paulskirche zum ersten Mal zusammentrat: Es bestand aus Dichtern und Denkern, Anwälten und Professoren, Gutsbesitzern und Fabrikanten. Ganze vier Handwerksmeister saßen in der Nationalversammlung − aber kein einziger Arbeiter. Diese Zusammensetzung, aber auch die oft endlosen Reden und Debatten trugen der Nationalversammlung im Volksmund schnell ihren Spitznamen ein: Professorenparlament.

Würde es diesem Parlament gelingen, die Ideale der Revolution in die Praxis umzusetzen?

Kapitel 3: Die ersten Fraktionen

Die Erwartungen an die Abgeordneten waren groß: Aus 39 Teilstaaten sollten sie einen Nationalstaat formen und ihm eine Verfassung geben. Zunächst musste sich die Nationalversammlung aber selbst sortieren. Denn das politische Spektrum reichte von Verfechtern der Fürstenherrschaft über liberal gesinnte Bürger bis hin zu Demokraten, die am liebsten eine Republik gründen wollten. Die knapp 600 Parlamentarier wählten den angesehenen liberalen Politiker und Burschenschafter Heinrich von Gagern zum Präsidenten der Nationalversammlung. Sie selbst schlossen sich zu Interessengruppen zusammen, die durchaus schon als Vorläufer der Fraktionen gelten dürfen, wie es sie in heutigen Landtagen oder im Bundestag gibt. Die politischen Gruppierungen trugen allerdings noch keine Parteinamen, sondern benannten sich nach den Orten, an denen sie ihre Treffen abhielten. Da es in der Paulskirche keine Tagungsräume und Hinterzimmer gab, kamen die Politiker nämlich in Lokalen und Gaststätten zusammen. So entstanden Fraktionsnamen wie „Donnersberg“ und „Deutscher Hof“, „Westendhall“ und „Württemberger Hof“, „Casino“ und „Café Milani“. Das politische Spektrum reicht von der konservativen Rechten über bürgerlich-liberale Abgeordnete, die mehr Mitsprache forderten, bis hin zu Demokraten und radikalen Republikanern. Übrigens: Was aus heutiger Sicht scheinbar nicht zusammenpasst, war damals ganz normal: Die Demokratische Linke – bestehend aus dem gemäßigteren Deutschen Hof und dem radikalen Donnersberg – war republikanisch! Denn sie trat vehement für eine Abschaffung der Monarchie in ganz Deutschland ein.

Kapitel 4: Die kleindeutsche Lösung

Voller Elan widmeten sich die Abgeordneten in Frankfurt am Main dem Grundrechtskatalog, der kurz vor Weihnachten beschlossen wurde. Das neue Gesetz garantierte unter anderem die Gleichheit aller Deutschen und die grundlegenden Freiheitsrechte wie Versammlungsfreiheit und die Abschaffung der Zensur.

Dann wurde es knifflig: Wie genau sollte der künftige Nationalstaat aussehen? Vor allem am Vielvölkerstaat Österreich schieden sich die Geister. In ihm lebten neben Deutschen nämlich auch Ungarn, Tschechen, Slowaken, Italiener und weitere Nationen. Das passte für viele Abgeordnete nicht mit der Idee eines deutschen Nationalstaats zusammen. Was also tun? Könnte man vielleicht die nicht deutschsprachigen Gebiete irgendwie ausklammern? Damit waren die Österreicher nicht einverstanden. So blieb nach monatelangen Debatten schließlich nur die kleindeutsche Lösung übrig: ein deutscher Staat ohne Österreich.

Nächster Knackpunkt in der Paulskirche war die Regierungsform des angepeilten Nationalstaats. Die Mehrheit der Abgeordneten sprach sich für eine Bundesregierung aus, die von einem Kaiser ernannt und geleitet, aber vom Parlament kontrolliert werden sollte. Die Regierungsgewalt würde also geteilt sein, denn der Monarch – also der Kaiser − sollte einen Teil seiner Macht an die Volksvertreter abgeben. Eine solche Regierungsform nennt sich „konstitutionelle Monarchie“. Am 28. März 1849 wurde schließlich auch die Verfassung verabschiedet. Sie war die modernste in ganz Europa und sollte später als Vorbild für die Verfassung der Weimarer Republik dienen. Auch Teile des Grundgesetzes der Bundesrepublik Deutschland basieren auf ihr.

Aber – wer sollte nun Kaiser im künftigen Deutschland werden? Nun, dafür kam ja eigentlich nur der König des größten Teilstaats in Frage: der preußische König Friedrich Wilhelm IV.!

Kapitel 5: Der König will kein Kaiser sein

Friedrich Wilhelm IV. schien die Idealbesetzung zu sein, hatte er sich doch nach den blutigen Märzkämpfen in Berlin mit großer Geste an die Spitze der Einheitsbewegung gesetzt. Ein wahrhaft revolutionärer König, der die Grundrechte des deutschen Volkes achten würde! Oder doch nicht?

Was Friedrich Wilhelm wirklich von der Revolution hielt, ahnten die Parlamentarier in der Paulskirche nicht einmal. Seine wahre Meinung teilte er auch nur mit seinen engsten Vertrauten. „Das Volk ist mir zum Kotzen!“ soll er gesagt haben. Die Deutsche Revolution sei die „dümmste und albernste des Jahrhunderts“, schrieb er in einem Brief. Und wenn sich Friedrich Wilhelm öffentlich für ein geeintes Deutschland aussprach, dann meinte er nicht etwa jene konstitutionelle Monarchie, die den Abgeordneten in der Paulskirche vorschwebte. Er meinte ein Reich nach dem Vorbild des ehemaligen Heiligen Römischen Reiches Deutscher Nation − mit einem Kaiser von Gottes Gnaden an der Spitze, den nur die Fürsten wählen durften.

Und während die Abgeordneten in Frankfurt über Grundrechte und Staatsform debattierten, rüsteten die Herrscher von Preußen und Österreich zum Gegenschlag.

Im Oktober 1848 wurde die Revolution in Wien blutig beendet, im November ließ der Preußenkönig die eigene Hauptstadt Berlin mit Truppen besetzen. „Nun bin ich wieder ehrlich“, soll er gesagt haben.

Diesem König also bot die Nationalversammlung im April 1849 die Kaiserkrone an. Friedrich Wilhelm lehnte sie mit einer salbungsvollen Rede, aber voller innerer Verachtung ab. Denn nur die Fürsten hatten seiner Ansicht nach das Recht, den Kaiser zu wählen. Von Untertanen wollte er keine Krone entgegennehmen!

Kapitel 6: Das Ende der Revolution

Mit der Weigerung des Königs platzte der Traum vom geeinten Deutschland. Die Paulskirchenverfassung sollte nie in Kraft treten. Die meisten Länder beriefen ihre Abgeordneten aus Frankfurt ab; die Verbliebenen wurden vom Militär verjagt. Radikale Linke bildeten dann ein Rumpfparlament, das sich in Stuttgart einen provisorischen Sitzungsort suchte. Im Sommer wurde es jedoch von württembergischen Soldaten aufgelöst. Letzte Aufstände wurden mit roher Gewalt niedergeschlagen. Im Spätsommer 1849 war die Revolution endgültig gescheitert. Erneut mussten sich die Deutschen der Unterdrückung beugen – oder das Land verlassen. Das taten viele, vor allem gebildete Bürger. Dem Kampf um Demokratie und Bürgerrechte lief das Personal davon.

Nur der Einheitsgedanke, die Idee eines deutschen Kaiserreichs, blieb erhalten. Die Revolution „von unten“ war gescheitert, aber warum sollte es nicht mit einer Revolution „von oben“ klappen? Die Meilensteine auf dem Weg dahin waren drei Kriege und das politische Geschick eines machthungrigen Staatsmannes: Otto von Bismarck.

Zusammenfassung

  • Die Frankfurter Nationalversammlung war das erste frei gewählte gesamtdeutsche Parlament. Sie tagte von Mai 1848 bis Anfang Juni 1849 in der Frankfurter Paulskirche.

  • Zu den wichtigsten Aufgaben der Nationalversammlung gehörte die Ausarbeitung einer gesamtdeutschen Verfassung. Diese Verfassung war die modernste in Europa, trat allerdings nie in Kraft. Erst später sollte sie als Vorbild für die Verfassung der Weimarer Republik dienen. Und auch Teile des Grundgesetzes der Bundesrepublik Deutschland basieren auf der Frankfurter Verfassung.

  • Die Nationalversammlung entschied sich für ein Deutschland ohne Österreich – die sogenannte „kleindeutsche Lösung“.

  • Die Abgeordneten der Paulskirche stimmten für eine konstitutionelle Monarchie, in welcher der Herrscher an eine Verfassung gebunden ist. An der Spitze sollte ein Kaiser stehen, der seine Macht mit einem Parlament teilen sollte.

  • Die Kaiserkrone bot die Nationalversammlung dem König von Preußen an, der nach dem Ausscheiden Österreichs den größten Teilstaat des Deutschen Bundes regierte. Friedrich Wilhelm IV. lehnte es jedoch ab, sich von „Untertanen“ zum Kaiser krönen zu lassen. Damit waren die Bemühungen um Verfassung und Nationalstaat gescheitert.

  • Unter preußischer Führung wurden im Sommer 1849 die letzten Hochburgen der Revolution eingenommen. Das Stuttgarter Rumpfparlament wurde gewaltsam aufgelöst. Die Herrscher in den Staaten des Deutschen Bundes hoben ihre Zugeständnisse auf und stellten den Deutschen Bund wieder her.

Teste dein Wissen im Quiz

  1. Wie nannte sich das erste demokratisch gewählte gesamtdeutsche Parlament?
    1. A) Reichstag
    2. B) Bundestag
    3. C) Vorparlament
    4. D) Nationalversammlung
  2. Wo tagte die deutsche Nationalversammlung von Mai 1848 bis Juni 1849?
    1. A) In der Frankfurter Paulskirche
    2. B) Im Volkshaus von Bayern
    3. C) Im Staatenhaus der Großmächte
    4. D) Im Palast der Zentralgewalt
  3. Auf welche Staatsform einigten sich die Abgeordneten der Frankfurter Nationalversammlung?
    1. A) Republik
    2. B) Diktatur
    3. C) Konstitutionelle Monarchie
    4. D) Anarchie
  4. Wie nannte man die in der Frankfurter Nationalversammlung beschlossene territoriale Lösung ohne Österreich?
    1. A) Großdeutsche Lösung
    2. B) Norddeutsche Lösung
    3. C) Alpenländische Lösung
    4. D) Kleindeutsche Lösung
  5. In welcher Stadt traf sich das verbliebene Rumpfparlament der Deutschen Nationalversammlung, bevor es im Sommer 1849 gewaltsam aufgelöst wurde?
    1. A) In Stuttgart
    2. B) In Lübeck
    3. C) In Berlin
    4. D) In Frankfurt

Richtige Antworten:
1. D) Nationalversammlung
2. A) In der Frankfurter Paulskirche
3. C) Konstitutionelle Monarchie
4. D) Kleindeutsche Lösung
5. A) In Stuttgart

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