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Westfälischer Frieden

Das Ende des Dreißigjährigen Kriegs
Eine Abbildung des  der Osnabrücker Friedensvertrags (Instrumentum Pacis Osnabrugensis, IPO)
Westfälischer Frieden
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Intro

30 Jahre Blutvergießen, endloses Leid und Krieg – und immer noch kein Ende in Sicht. Konnte überhaupt jemals einen Friedensschluss geben? In dieser Story erfährst du, wie mühsam es war, all die verfeindeten Kriegsparteien und europäischen Mächte an einen gemeinsamen Verhandlungstisch zu bringen und warum der Westfälische Friede von 1648 bis in das heutige Europa nachwirkt.

Kapitel 1: Ein fantastisches Spektakel

Tausende Menschen drängen sich auf dem Marktplatz der westfälischen Stadt Münster. Neugier und Hoffnung malen sich auf ihren Gesichtern: Ein Abgesandter des Papstes höchstpersönlich wird erwartet, der Sonderbotschafter des Heiligen Stuhls! Er soll zwischen den bis aufs Blut zerstrittenen Parteien dieses Kriegs vermitteln, der so viel Leid und Tod über die Völker im Heiligen Römischen Reich Deutscher Nation gebracht hat!

Von Kriegsleid ist an diesem Tag nichts zu spüren. Aus bunt geschmückten Wagen werden Naschereien feilgeboten, Gaukler machen ihre Späße. Plötzlich geht ein überraschter Aufschrei durch die Menge: Riesige graue Tiere mit langen Rüsseln stapfen auf den Marktplatz. Sind das etwa ... Elefanten? Doch im nächsten Augenblick bringen Fanfarenklänge das aufgeregte Stimmengewirr zum Verstummen. Eine prächtige Kutsche biegt auf den Marktplatz ein, gefolgt von Reitern und Bediensteten. Ja, das ist er: Fabio Chigi, der Mann, der fast drei Jahrzehnte Krieg auf diplomatischem Wege beenden soll...

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Kapitel 2: Kriegsmüde Feinde

Fabio Chigi, der außerordentliche Gesandte von Papst Innozenz X. und spätere Papst Alexander IV., traf im Jahr 1644 im westfälischen Münster ein. Die Aufgabe, die er hatte, würde man heute wohl als die eines Mediators bezeichnen – eines Schlichters und Vermittlers zwischen zerstrittenen Parteien oder Institutionen. In diesem Fall waren dies das katholische Habsburg-Spanien auf der einen und das protestantische Frankreich-Schweden auf der anderen Seite – die Hauptkriegsparteien des Dreißigjährigen Kriegs.

Fast drei Jahrzehnte Krieg lagen hinter ihnen und den Völkern im ganzen Heiligen Römischen Reich Deutscher Nation. Der Prager Fenstersturz und der Aufstand der böhmischen Stände hatten 1618 den Beginn des Dreißigjährigen Krieges markiert; zwei Jahre später waren die böhmischen Aufständischen besiegt worden. Der katholische Kaiser und böhmische König Ferdinand II. hatte die Protestanten enteignet und ihre Ländereien an seine katholischen Gefolgsleute verteilt. Nach und nach waren alle damaligen europäischen Großmächte in den Krieg eingetreten, in dem es längst nicht mehr nur um den vermeintlich richtigen Glauben ging. Es ging um Macht und territoriale Hoheitsansprüche, es ging um die Unabhängigkeit der niederländischen Provinzen von der spanischen Oberherrschaft, aber auch um die Machtansprüche der Fürsten und Reichsstädte gegenüber dem Kaiser, der seit der Frühen Neuzeit allein vom österreichischen Adelshaus der Habsburger gestellt wurde.

Doch allmählich waren die europäischen Herrscher kriegsmüde geworden. Sie hatten schlicht keine Ressourcen mehr zum Weiterkämpfen, die Länder waren verwüstet, ausgeblutet und entvölkert. Niemand konnte mehr irgendetwas gewinnen, es gab nur noch Kosten und Verluste. So strebten die Kriegsparteien eine Lösung am Verhandlungstisch an. Das war neu, denn bisher waren die meisten Kriege ausschließlich auf dem Schlachtfeld entschieden worden. Vier Jahre gingen ins Land, bis überhaupt feststand, wo der große Friedenskongress stattfinden sollte und wer daran teilnehmen durfte. Da waren die Reichsstände – also all die Fürsten, Erzbischöfe, Freie Städte und Ritterorden mit Sitz und Stimme im Reichstag – und mit den evangelischen unter ihnen wollte Kaiser Ferdinand II. partout nicht verhandeln. Auch Protestanten und päpstliche Gesandte weigerten sich, miteinander zu reden, und die Vertreter der deutschen Länder und Bistümer stritten sich um Ränge und Prozedere am Verhandlungstisch.

Kapitel 3: Trotz und Trennung

Um sämtliche Beteiligten trotz aller diplomatischen Querelen irgendwie unter einen Hut zu bekommen, bestimmte man im sogenannten Hamburger Präliminarfrieden von 1641 zwei neutrale und entmilitarisierte offizielle Verhandlungsorte: die evangelisch geprägte Stadt Osnabrück und das katholische Münster, beide in Westfalen gelegen. In Osnabrück sollten die Vertreter der evangelischen Reichsstände und des Königreichs Schweden mit den Gesandten des Kaisers verhandeln, in Münster die der katholischen Reichsstände, der Königreiche Spanien und Frankreich sowie der von Spanien regierten Niederlande. Dorthin entsandte Papst Innozenz X. auch seinen Sonderbotschafter Fabio Chigi. Er sollte vermittelnd zwischen den beiden Hauptkriegsparteien wirken, durfte jedoch nicht mit den Abgesandten der protestantischen Parteien verhandeln. Dazu musste er auf einen weiteren Mittelsmann zurückgreifen: den venezianischen Diplomaten Alvise Contarini.

Beteiligt waren am Ende auch die Städte Lengerich, Ladbergen und Tecklenburg, in denen vor und während der Friedensverhandlungen wichtige Beschlüsse ausgehandelt wurden, so etwa das Lengericher Conclusum, wonach alle kriegsgeschädigten Stände und Städte an den Verhandlungen beteiligt wurden. Nun waren also die Rahmenbedingungen festgelegt und endlich, 1645, konnten die eigentlichen Friedensverhandlungen beginnen. Also begaben sich die Abgesandten aus allen Teilen Europas auf die abenteuerliche Reise ins deutsche Westfalen.

Kapitel 4: Der Verhandlungsmarathon beginnt

Vor allem diejenigen Konferenzteilnehmer, die aus Spanien, Italien oder Schweden anreisten, hatten zahlreiche Hindernisse zu überwinden. Immer wieder mussten sie mit ihren Wagenzügen Gebiete umfahren, in denen die Kämpfe unvermindert weitertobten. Den Gesandten aus den Mittelmeergebieten machte auch das nasskalte deutsche Wetter gehörig zu schaffen, sodass sie das Land Westfalen bald schon als „Heimat des Regens“ oder gar abfällig als „Mistfalen“ bezeichneten. Doch auch die beteiligten Städte hatten gewaltige Probleme zu meistern. Schließlich mussten zahlreiche ranghohe Gäste mit ihrem Gefolge untergebracht, versorgt und bei Laune gehalten werden. Hinzu kam, dass die meisten der Gesandten keine eigenen Entscheidungen treffen durften. Sie mussten also ihre jeweiligen Herrscher in der weit entfernten Heimat über jeden einzelnen Verhandlungspunkt auf dem Laufenden halten und deren Entscheidungen wieder in die Konferenzen einbringen. Das alles war in Zeiten ohne Telefon und Internet natürlich nur per Brief und Postreiter möglich. Und die waren etwa im Falle Spaniens durchaus schon mal einen ganzen Monat unterwegs, bis das Antwortschreiben des dortigen Königs wieder die Stadt Münster oder Osnabrück erreichte. Doch genau diese Umstände machten die damaligen Friedensverhandlungen zu einem Spektakel, das aus heutiger Sicht eher an das Münchner Oktoberfest als an eine politische Verhandlungsrunde erinnern mag. Denn in den endlosen Zeiträumen, die der ganze transeuropäische Briefverkehr benötigte, wurden fröhliche Feste veranstaltet, glamouröse Bälle gegeben und die Gäste mit Spielleuten, Gauklern und exotischen Tiervorführungen unterhalten. Auf diese Art und Weise vergingen Jahre, während auf den zahllosen Schlachtfeldern Europas das blutige Hauen und Stechen weiterging.

Kapitel 5: Zwei bahnbrechende Verträge

Anfang 1648 kam es endlich zu ersten Einigungen. Am 30. Januar unterzeichneten die niederländischen Gesandten und die Vertreter Spaniens den Frieden von Münster, mit dem Spanien nach insgesamt fast 80 Jahren Unabhängigkeitskriegen die Souveränität der Sieben Vereinigten Provinzen der Niederlande akzeptierten.

In Osnabrück wurde derweil über die Beilegung des Streits zwischen dem Heiligen Römischen Reich und Schweden verhandelt. Am 24. Oktober schließlich wurden zwei sich ergänzende Friedensverträge vom Kaiser und den Regenten von Frankreich und Schweden unterzeichnet: Der Münsterʾsche Friedensvertrag zwischen Kaiser Ferdinand III., König Ludwig XIV von Frankreich und den katholischen Reichsständen; der Osnabrücker Friedensvertrag (IPO) wiederum vom Kaiser, der Königin Christina von Schweden – Tochter des bei Lützen gefallenen Königs Gustav II. Adolf – sowie den protestantischen Reichsständen. Beide Verträge werden unter der Bezeichnung Westfälischer Friede zusammengefasst und ihre Beschlüsse nebst Ergänzungen zu Abrüstungs- und Entschädigungsfragen zum Reichsgrundgesetz erhoben.

Kapitel 6: Gewinner und Verlierer

Wie nach jedem Krieg hinterließen auch die Westfälischen Friedensverträge Gewinner und Verlierer. Zu Letzteren gehörte das Haus Habsburg, dessen Macht im Reich ganz gewaltig eingeschränkt wurde. Die deutschen Fürsten herrschten nun souverän über ihre Gebiete, durften ohne kaiserliche Zustimmung Bündnisse schließen und der Kaiser selbst musste für wichtige Entscheidungen die Zustimmung der Reichsstände einholen. Auch Schweden gehörte zu den Gewinnern, bekam es doch Gebiete wie Vorpommern und das Bremer Umland zugesprochen. Damit besaß Schweden nun die großen Flussmündungen und kontrollierte die Zugänge zur See. Gleichermaßen wurde auch Frankreich mit ehemals deutschen Gebieten belohnt: Es erhielt die Bistümer Metz, Toul und Verdun sowie fast das gesamte Elsass. Zum Ausgleich erhielten einige Herzogtümer neue Gebiete wie etwa Brandenburg und Mecklenburg-Schwerin. Die Schweiz und die Niederlande schieden endgültig aus dem Reich aus und wurden unabhängige Staaten.

Insgesamt ermöglichte der Westfälische Frieden im Heiligen Römischen Reich Deutscher Nation also eine Neuordnung auf der Grundlage gleichberechtigter und souveräner Nationalstaaten – so wie wir es im heutigen Europa kennen.

Kapitel 7: Glaubensfreiheit

Das wohl wichtigste Ergebnis dieser langjährigen Verhandlungen betraf die Glaubensansichten der einfachen Bevölkerung: Zum ersten Mal wurde nämlich ein echter Religionsfrieden geschaffen, der den Katholizismus und den Protestantismus gleichberechtigt auf dieselbe Stufe stellte. Während nämlich der Augsburger Religionsfriede von 1555 zwar die reformierte evangelisch-lutherische Kirche als Konfession anerkannt und dem jeweiligen Herrscher die Entscheidung überlassen hatte, welchem Glauben sein Land und dessen Untertanen angehören sollten, durften sich diese nun ihren Glauben selbst aussuchen. Zumindest im privaten Bereich, denn die öffentliche Religionsausübung konnten die Fürsten weiterhin einschränken oder sie sogar, wie etwa in Schlesien und anderen österreichischen Erblanden, untersagen. Papst Innozenz indessen war auch damit noch höchst unzufrieden. Zwei Jahre nach dem Friedensschluss legte er in einem zurückdatierten päpstlichen Breve – einer offiziellen Kurzmitteilung – Protest gegen die religiösen Bestimmungen des Osnabrücker Vertrags ein und erklärte sie „kraft apostolischer Machtvollkommenheit (...) für nichtig, ungültig, unbillig, ungerecht, verdammt, verworfen ...”; niemand müsse sie einhalten. Schon während der Verhandlungen hatte er seinem Sondergesandten Fabio Chigi das Leben schwer gemacht, indem er jeden Kompromissvorschlag rundweg ablehnte. Sein Ziel war klar: die katholische Kirche sollte ihren umfassenden Einfluss wieder zurückgewinnen, den sie bis Mitte des 16. Jahrhunderts gehabt hatte.

Am 24. Oktober 1648 läuteten nach 30 Jahren verheerender Schlachten, Raubzüge und Hungersnöte nun also endlich die Friedensglocken im Heiligen Römischen Reich Deutscher Nation. Ein Drittel der Gesamtbevölkerung konnte sie allerdings nicht mehr hören – denn von den rund 18 Millionen Einwohnern zu Beginn der ersten Kampfhandlungen sind nach vorsichtigen Schätzungen rund sechs Millionen Menschen im Dreißigjährigen Krieg ums Leben gekommen.

Zusammenfassung

  • Der Westfälische Friede beendete den Dreißigjährigen Krieg, der rund ein Drittel der damaligen Bevölkerung das Leben gekostet hatte.

  • Im Jahr 1645 begannen die Verhandlungen der europäischen Kriegsparteien über einen Friedensschluss. Als Konferenzorte waren während der mehrjährigen Vorverhandlungen die deutschen Städte Münster und Osnabrück ausgewählt worden.

  • Am 24. Oktober 1648 wurden beide Verträge des Westfälischen Friedens unterzeichnet. Die Macht des Kaisers wurde beschränkt, die beiden christlichen Konfessionen als gleichwertig bestätigt und den Untertanen eine weitgehend freie Glaubensausübung erlaubt.

  • Territorial und politisch ermöglichten die Verträge eine Neuordnung Europas auf der Grundlage gleichberechtigter und souveräner Nationalstaaten – so wie wir es im heutigen Europa kennen. Bis zur Französischen Revolution sollten sich spätere Friedensschlüsse immer wieder am Westfälischen Frieden orientieren.

  • 2023 wird im Münsterland das Jubiläum 375 Jahre Westfälischer Frieden begangen. Festorte sind vor allem die historischen Rathäuser Osnabrück sowie Münster mit seinem Friedenssaal, aber auch die Städte Lengerich, Ladbergen und Tecklenburg, in denen vor und während der Friedensverhandlungen wichtige Beschlüsse ausgehandelt wurden.

Teste dein Wissen im Quiz

  1. Welche Stadt neben Münster war Ort von Friedensverhandlungen über die Beendigung des Dreißigjährigen Kriegs?
    1. A) Osnabrück
    2. B) Köln
    3. C) Aachen
  2. DürenIn welchem Jahr begannen die offiziellen Verhandlungen über die Beendigung des Dreißigjährigen Kriegs?
    1. A) 1646
    2. B) 1647
    3. C) 1645
    4. D) 1648
  3. Welches ehemalige deutsche Gebiet erhielt Frankreich nach dem Dreißigjährigen Krieg zugesprochen?
    1. A) Burgund
    2. B) Elsass
    3. C) Lothringen
    4. D) Normandie
  4. Welche beiden Staaten schieden mit dem Westfälischen Frieden am Ende des Dreißigjährigen Kriegs aus dem Heiligen Römischen Reich aus?
    1. A) Schweiz und Niederlande
    2. B) Schweden und Dänemark
    3. C) Frankreich und Belgien
    4. D) Böhmen und Mähren
  5. Wovon profitierte Schweden nach dem Ende des Dreißigjährigen Kriegs am meisten?
    1. A) Kriegsersatzleistungen
    2. B) Abschaffung der Monarchie
    3. C) Städtebau-Förderprogramm
    4. D) Kontrolle über Seehäfen

Richtige Antworten: 
1. A) Osnabrück
2. C) 1645
3. B) Elsass
4. A) Schweiz und Niederlande
5. D) Kontrolle über Seehäfen

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